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Kulturcentrum am Wartburgplatz
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STOFF! – Junge Schreibende lesen ihre Texte

Do, 18. Mai – 20:00

mit Steve Domrand, Sebastian Enauska, Jonathan Stephan & Theresa Walter                      Eintritt frei

3 SteveSteve Domrand: »Wer bin ich beim Schreiben? Ich suche, erfinde, erleide den Wunsch, Facetten, Ausdrücke des Abstrakten, des Noch-nicht-Verwirklichten in eine Form zu bringen. Der trotz ihrer Unmöglichkeit aufgesuchten Fähigkeit, dem Schmerz seine Vielfalt zurückzugeben sowie der Liebe ihren Halt, gilt mein Bestreben. Vor allem auf der Welt, weil es keine Einsicht war, bewegt sich Zufall in gespaltener Querulanz zwischen Stamm und Zweig, Halm und Wiese, Wort und Satz, Lust und Un-Lust umher, abgesondert ausgestellt für des hungrig Mäuligen, mir des Hörens Überdruss, geflohen in die verstummte Taubheit, ob ich ihn nicht schon einmal hörte?«

4 SebastianSebastian Enauska: »Da himmlische Heerscharen vor beinahe zwei Jahrdutzenden mein Unsterbliches abkanzelten, in diese farbbrüchigste aller Erdniederungen eine Menschenlebenknäppe lang durch die Dahme-Spree-rondellierte Geisterbrille zu blinzeln, konnten die erlesenen als schreibenden Eltern seiner Höllenhülle kaum ahnen, dass eurem heiligkeitszynischen Zeitgeist in beider Verbunde ein widerspenstiger Wiederverkoster altbackener Heißluftbrote unerwachsen würde, da sie es ansonsten ja zu unterbinden gewusst haben müssten. Euch am pflanzenfleischkauenden Müßiggang ach mehr erfühlter denn erfüllter Jugendstunden Fruchtlese um Gnade zu winzen, möge unter gestutztem Engelskostümflügel ein despoetisches Übergewicht noch einmal auf durchgewetzelten Socken vom Marmorsockel ins Marmeladeglas eurer ausgemachten Eingemächertheiten stürzen, auf dass endlich nur wieder Eigenblutkonserven die kernkraftverseuchten Fassaden des beinah idealen Ideal-Verdauungssystems von innen her einfaltsbepinselnd aus der Fassung hieven, während ihr nimmer, zitternde Lippen den Gefühlskreisläufen auszulagern, gespornt bleibt.«

2 JonathanJonathan Stephan: »Ich schreibe, weil ich gut zu meiner Zeit sein will. Weil es wahr ist, dass diese Zeit und ihr globaler Raum mich als Ware kennen, bin ich glücklich, wenn ich schreiben darf. Ein Blatt vor den Mund nehmend, moralisiere ich mich – mensch, niemals andere, das wäre ein tiefer Übergriff weißer Rosen –, versuche, den Verhältnissen zu entgehen, dort auszutreten, endlich in eigene Verhältnisse zu gehen: In der Fiktion darf geschehen, was schön wäre, wenn es geschähe – da keine Angst vor dem Lärm guter Gedanken! Ansonsten bin ich ja auch nur ungern zur Schule gegangen.«

1 TheresaTheresa Walter: »Ich erinnere mich nicht an mich, aber ich habe auch andere existentielle Probleme. Ob ich mir Verständnisse wirklich nur erschreibe, um mich von ihnen zu emanzipieren, weiß ich nicht. Will ich mich jedoch von dem, was in mir passiert, emanzipieren, muss ich die richtigen Worte für es finden. Die richtigen Worte? Worte, die Gespenster und Jäger aus meiner Psyche verjagen, Worte, die Raum für Zeitlichkeit schaffen. Niederschreiben, wer ich bin, kann ich vielleicht einmal, wenn mich das Schreiben nicht mehr von dem befreien muss, was ich nicht bin.«